Der Dezember
Jaja, der letzte Monat des ersten Jahrzehnts sollte ein ereignisreicher werden. Kurze Zusammenfassung: Heiratsantrag an Claudia (8. Dezember), Abschluss meines Studiums (16. Dezember), Feiertage, Hochzeit (28. Dezember), Abflug in die Flittermonate mit Ziel Südamerika. Nicht gerade ein ereignisloser Monat könnte man sagen. Eigentlich lief auch alles glatt, bis auf die Tatsache, dass sie unsere präferierte (weil sehr günstige) Fluggesellschaft Aircomet entschied just eine Woche vor geplantem Abflugtermin Konkurs anzumelden. Hätte ich nicht nochmal nachgeschaut, ob sich was mit der Abflugzeit geändert hätte…tja, dann wären wir mal schön blöd in Madrid gestanden. Zum Glück war dem nicht so und wir konnten noch rechtzeitig umbuchen. Diesmal nicht über Spanien, sondern
via Amsterdam. Dort sollten wir dann auch noch eine Nacht verbringen, haha, aber nicht irgendwo, sondern im absolut fortschrittlichsten Hotel ever. Dem CitizenM(obile). Absolute Zukunftsgeschichte, mit Regendusche, veränderbarer Lichtstimmung (in der Dusche!!!), freiem WLAN, riesengroßer und superbequemer Spielwiese plus Multifunktionsfernbedienung, um sich auch ja nicht bewegen zu müssen um irgendwo einen Knopf zu drücken
Soweit so gut, ein kleiner Abstecher in die Stadt und schon gings gut ausgeruht am nächsten Tag direkt Richtung Lima. Am Flughafen lief alles glatt soweit, der Flug war absolut erste Sahne (KLM ist nur zu empfehlen) und pünktlich wie die Maurer landeten wir um 17:50 Uhr Ortszeit (23:50 MEZ) in Lima. Ankunft, Transport ins Hostel, alles ohne irgendwelche Probleme. Im Hostel angekommen erstmal ein kleiner Schnack mit Cosy, die ich noch von meinem letzten Limaaufenthalt kannte und dann dann ab nach San Miguel in meine alte Heimat. Vania, meine damalige Gastgeberin war nicht anwesend, da sie Sylvester mit ihrem Sohn Mauricio doch lieber am Strand als im Moloch Lima verbrachte. Dafür aber ihr Bruder Sergio und weitere alte Bekannte, so dass wir das neue Jahr mit reichlich Pisco und dem mitgebrachten deutschen Bier begossen.
Der Januar
Da wir doch schon etwas gejetlegt waren (zugegeben Claudia mehr als ich) haben wurde es auch nicht sooo lange und wir lagen gegen 4 Uhr Ortszeit in unserem Bett. Die ersten Tage ließen wir es auch eher langsam angehen, legten uns ein Handy zu, ich zeigte Claudia ein bisschen von dem Stadtteil in dem ich vor 4 Jahren ja nicht unwesentlich viel Zeit verbrachte und schwupps, mussten wir aus Bleibe Nummer 1 auch schon wieder auschecken, da ich ursprünglich nur für 2 Tage gebucht hatte. Aber alles kein Problem, da eine gute Freundin uns ein Zimmer in einem Hostel (eher eine WG) vermittelte, in der auch sie wohnte. Und siehe da, nicht nur sie, sondern auch Ariday, ein alter Bekannter, der vor 2 Jahren ein Jahr zum Auslandsstudium in Ilmenau verbrachte. Die Gesellschaft war also gesichert. Am Lustigsten war eigentlich der Moment, als wir unsere Bleibe (die Casa Roja) betraten. Erster Gedanke: „Moment…sind wir gerade in
Indien oder in Peru??“ Das komplette Haus voll mit Bildern und Statuen indischer Götter. Aufklärung verschaffte die Tatsache, dass uns Graciella, die Hausherrin erklärte, dass sie dem Glauben der Hare Krishna angehörte. Irgendwie bleibt uns Indien erhalten (zur Erinnerung: Claudia und ich haben uns dort kennengelernt).
Die folgenden Tage sollten wir dort in unserer ganz persönlichen Honeymoon-Suite verbringen. Und dieses Attribut ist nicht zu stark, um unser Zimmer zu beschreiben. Riesengroß mit mehreren Fenstern, ein Ankleideraum, sowie ein sehr großzügiges Bad mit einer riesengroßen Badewanne. Außerdem waren wir natürlich auch unterwegs und innerhalb von 3 Tagen konnte ich Claudia eigentlich auch fast alles zeigen, was es sich wirklich lohnt in Lima anzuschauen. Mir blieb der Eindruck, dass sich die Stadt doch sehr zum Positiven verändert hat. Wesentlich mehr Grünflächen, neu geteerte Straßen etc. Außerdem erinnerte mich Limas Zentrum so ganz und garnicht an meinen ersten Besuch. Wesentlich sauberer, weniger gefährlich wirkende Gestalten unterwegs und sogar Rimac, der an den Regierungspalast angrenzende Bezirk, welcher früher doch ziemlich prenzlig war, wirkte aufgeräumt, sauber und……irgendwie harmlos. Naja…Dinge ändern sich. Claudias Kommentar: „Was erzählst du mir denn für Geschichten…hier ist es doch soo nett…und so….GRÜÜÜN. Unglaublich, nicht das Lima was ich kannte. Am meisten geschockt hat mich jedoch die Tatsache, dass die Busse, welche man früher einfach mit der Hand zum anhalten brachte mittlerweile nur noch an extra ausgezeichneten Haltestellen anhalten. Außerdem kann man den Bus von innen auch nicht mehr mit einem „Baja!“, einem „Baja esquina“ oder ähnlichem zum Halten bringen. UND DAS SOLL LIMA SEIN???? Was haben die mit der Stadt gemacht. Naja…muss ja nicht schlechter sein, nur weils anders ist wa…Dinge verändern sich halt. Und plötzlich sehe ich ein großes Schild vor mir, welches es auf den Punkt bringt: „El Peru avanza“ (Peru geht nach vorne!)
Pisco, Islas Ballestas
Erster Halt nach Lima war Pisco. Einerseits bekannt durch den gleichnamigen Traubenschnaps, aber vielen sicher noch in Verbindung mit einem verheerenden Erdbeben im Jahr 2007 ein Begriff. Damals wurden 85 Prozent aller Häuser Piscos zerstört. Beim Spaziergang rund um den Plaza de Armas (Stadtzentrum) kann man dies auch deutlich erkennen. Ein großer freier Raum auf einer Seite des Plazas lässt vermuten, dass dieser einst bebaut war. Auf Nachfrage erfahren wir, dass dort die 300 Jahre alte Kathedrale von Pisco stand.
Viel mehr ist über die doch recht unspektakuläre Stadt auch nicht zu sagen. Unser Ziel waren die Islas Ballestas, welche in unmittelbarer Nähe zu Pisco bzw der nahegelegenen Halbinsel Paracas ca 30 km vor der Küste Perus liegen. Diese werden auch „Klein-Galapagos“ genannt, da sich auf ihnen eine
Vielfalt verschiedenster Seevögel, Seelöwen und – jetzt kommts – Pinguine befinden. Dass diese sich an einem doch so unerwarteten Platz heimisch fühlen, hängt vor allem damit zusammen, dass der dortige Meeresstrom, der Humboldtstrom, sehr kaltes Wasser führt. Weiterhin weist der Name auf diesen Zusammenhang hin – sie heißen Humboldtpinguine.
Ica, Huacachina
Nach diesem „Tagestrip“ auf die Islas Ballestas gings ins ca 50 km südlicher entfernte in mitten der Wüste gelegene Ica. Eigentlich war nur die Ankunft in Ica, denn von dort aus machten wir uns sofort mit dem Taxi auf nach Huacachina. Diese nur 3 km von Ica entfernte Oase liegt in Mitten der Sanddünen und vermittelt den Eindruck man wäre gerade irgendwo in der Sahara in Nordafrika.
In dieser Idylle haben wir es dann auch ca. 5 Tage mit Temperaturen um die 30 Grad, einem hübschen Garten mit Pool und diversen Papageien, Pisco und netter Gesellschaft ausgehalten. Insbesondere Kike, unser Host, Giancarlo ein Anwalt aus Ica, sowie Mercedes und Ariel, ein Pärchen aus Buenos Aires waren echt sehr gute Feierkumpane in der Wüste. Allerdings war es dann irgendwann doch wieder Zeit weiterzuziehen. Unser Abschied wurde allerdings natürlich noch gebührend mit Pisco begossen (ich wusste nicht, dass ich soviel Schnaps trinken kann).

Arequipa, die weiße Stadt
Nach einer doch recht angenehmen ca. 12-stündigen Fahrt führte uns die Reise langsam weg von der doch recht trockenen und weitestgehend durch Brauntöne geprägten Westseite der Anden. Das Ziel hieß Arequipa, ihres Zeichens zweitgrößte Stadt Perus und intellektuelles Zentrum des Landes. Der Beiname „weiße Stadt“ beruht darauf, dass die Gebäude der Stadt zu großen Teilen aus weißem Vulkangestein gebaut ist, welches dem „Hausberg“ (bzw. Dem Hausvulkan) Misti entnommen wurde. Leider war der Misti während unserer Tage in Arequipa größtenteils durch Wolken verdeckt, was der Tatsache geschuldet ist, dass Januar und Februar im Hochland der Anden doch eher mit „Regenzeit“ gleichzusetzen sind. Wenn er sich vor allem am Morgen dann doch einmal kurz von seinen Wolken befreite, konnte man seine majestätische Wirkung auf die Stadt spüren. Kein Wunder bei einem knapp 6000m hohen Vulkan in unmittelbarer Nähe zu einer auf ca. 2000m Höhe gelegenen Stadt. In Arequipa hatten wir auch gleich noch eine andere Sache zu regeln, welche aus einem dummen Missgeschick in Huacachina resultierte. Dummerweise fiel mir dort Claudias Camera aus der Hand und das Objektiv ließ sich nicht mehr ein- und ausfahren. Glücklicherweise, und nach mehreren Stoßgebeten Richtung
Universum ließ sich die Camera jedoch von der ortansässigen Sony-Vertragswerkstatt für ein Entgelt von 100 Soles (ca. 25 Euro) reparieren…gracias a dios. Zu Arequipa ist weiter zu sagen, dass es doch zu den schönsten Städten Perus zu zählen ist. Der dortige Plaza de Armas, umrundet von seinen im Kolonialstil geprägten Häusern und der blütenweißen Kathedrale, ist doch wirklich sehr eindrucksvoll. Vor allem in der Dämmerung geben einem die Lichtverhältnisse das Gefühl alles durch einen Sepiafilter zu betrachten. Lustigerweise trafen wir in Arequipa auch wieder Ariel und Mercedes aus Buenos Aires mit denen wir echt lustige Tage (mit vielen vielen Partien Kniffel und einigen kühlen Bier) in Arequipa verbrachten. Da die Gesellschaft doch allzu angenehm war, beschlossen wir unser eigentliches nächstes Reiseziel zu canceln und mit den beiden nach Cusco, in die Hauptstadt des alten Inkareichs zu fahren.
Cusco
Die alte Hauptstadt des sich von Nordargentinien bis Südkolumbien erstreckenden Inkareichs liegt auf ca. 3300 m über dem Meeresspiegel und ist von einer ausladenden grünen Berglandschaft eingekesselt. Wie schon bei meinen ersten Besuchen 2005 und 2006 zog mich die Stadt direkt bei der Ankunft in ihren Bann. Claudia ging es da ähnlich, obwohl sie doch vor
allem die ersten beiden Tage ziemlich mit der Höhe zu kämpfen hatte. Das Atmen fällt doch schon bedeutend schwerer, …und mal ehrlich: Wann hält man sich den in Europa schon mal längere Zeit auf Höhen über 3000m auf? Spätestens hier wurde uns klar, dass es sehr sinnvoll war langsam, in kleinen Schritten ins Hochland zu fahren. Unser ursprüngliches Ziel, die Stadt Puno am Titicacsee liegt auf knapp 4000 m!!
Cuscos Magie ist wirklich einzigartig, auch wenn die Stadt doch schon sehr „touristifiziert“ ist. Der Flair der alten Inkagemäuer und die Berglandschaft rings um die Stadt herum hinterlassen ein dauerhaftes Gänsehautgefühl. Zur Zeit ist die Stadt von Argentiniern bevölkert, da diese den ganzen Januar über Sommerferien haben und Peru (und hier insbesondere Cusco) zu den beliebsten Reisezielen gehört. Zu unserem, fast täglichen Rhythmus gehörte es zum Frühstück auf den Mercado San Pedro (San Pedro-Markt) zu gehen. In der halboffenen Markthalle ist von Kleidern, Obst und Gemüse, sonstigen Lebensmitteln, Fruchtsäften (ein ganzer Teil des Marktes besteht nur aus Fruchtsaftständen), über Frühstück und Mittagessen eigentlich fast alles erhältlich was das Herz begehrt. Einziger negativer Aspekt ist im Moment allerdings, dass wir uns in der „Hauptregensaison“ befinden und es in den letzten Tagen doch nicht gerade selten mehrerer Stunden heftig regnete. Dies ist auch einer der Gründe, dass wir in diesen Tag nicht zum nahegelegenen Macchu Pichu aufbrechen werden, sondern diesen Besuch auf März verschieben werden, wenn die Regenzeit langsam auf ihr Ende zugeht.
Nächstes Ziel: Der Wahlfahrtsort Copacabana (Bolivien) und die Geburtstätte des ersten Inkas, die Isla del Sol im Titicacasee.
Soweit der erste Reisebericht, weitere werden folgen. Liebe Grüße an alle Daheimgebliebenen. Wir schicken euch ein bisschen Sonne hier aus dem Süden
Claudia und Marcel




